Was ist ein Flutpolder:

Ein Flutpolder ist ein eingedeichtes Gebiet, das bei Flusshochwasser, in unserem Fall die Donau, über Einlaufbauwerke gezielt geflutet wird. Die gesamte Polderfläche steht somit unter Wasser. 

Mit dieser Maßnahme wird die Wasserführung flussabwärts gelegener Flussabschnitte vorübergehend vermindert, um dadurch die Spitze einer Flutwelle zu verkleinern. Dadurch sollen Schäden durch Hochwasser an unterströmigen Orten vermieden werden.

Derartige Polder unterliegen Nutzungsbeschränkungen, beispielsweise einem Bebauungsverbot. Sie sind sowohl vom Flussbett als auch von benachbarten intensiver genutzten Flächen durch Deiche getrennt. 

Ein Polder soll nur in extremen Hochwasserfällen zur Kappung der Hochwasserspitze aktiviert werden und dadurch die bewährten Schutzsysteme ergänzen. Er soll jedoch bei kleinem und mittlerem Hochwasser nicht eingesetzt werden.

Wann genau ein extremer Hochwasserfall eintritt, weiß niemand und ist abhängig von den Einschätzungen der Wasserwirtschaft. Nach aktueller Aussage sind dies Wasserstände von etwa einem HQ 100. In diesem Zusammenhang steht HQ für Wasserdurchflussmengen an den entsprechenden Donuabschnitten , die so groß sind, dass sie nur alle einhundert Jahre vorkommen. Man spricht hier auch von einem Jahrhunderthochwasser.

 

Derartige Polder sind sowohl vom Flussbett als auch von benachbarten, intensiver genutzten Flächen durch Deiche getrennt. Es sind umfangreiche Ein- und Auslaufbauwerke sowie geschätzt etwa 7 m hohe und 40 m breite Dämme nötig.

 

 

Anlass der Politik:

Nach den Jahrhunderthochwassern in den vergangenen Jahren, wurde von der Bayerischen Staatsregierung das Hochwasserschutz Aktionsprogramm 2020 plus beschlossen. Bis 2020 will der Freistaat insgesamt 3,4 Milliarden Euro in die drei Handlungsfelder natürlicher Rückhalt, technischer Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge investieren. Es sind 3 Flutpolder zwischen Neu-Ulm und Donauwörth geplant. Neben Leipheim, solle es einen Polder bei Helmeringen und Neugeschüttwörth geben. 

Fakten:

Am 12.03.2015 wurde das Projekt Flutpolder Leipheim von der Bayrischen Umweltministerin Frau Scharf in der Güssenhalle Leipheim vorgestellt.

 

Am 09.12.2016 wurde von Frau Scharf verkündet, dass der Polderstandort Leipheim weiterverfolgt werden soll und ein Raumordnungsverfahren angestrebt wird.

 

 

Am 14.12.2016 wurde durch das Wasserwirtschaftsamt in Riedheim die Bevölkerung informiert, warum der Standort Leipheim nun erste Wahl sei und am 19.12.2016 wurde in Höchstädt von Frau Scharf das Vorhaben und die Auswahlkriterien nochmal erläutert. Detailfragen konnten zu dem Bauvorhaben weder von der Umweltministerin, noch vom Wasserwirtschaftsamt beantwortet werden. Damit blieben fast alle Fragen der Bevölkerung unbeantwortet.

Planungsumgriff:

Kein Flutpolder in unserer Heimat

Im Donauabschnitt zwischen Neu-Ulm und Donauwörth ist bei Flusskilometer 2572 der Flutpolder Leipheim geplant. Der Flutpolder umfasst eine Fläche von ca. 630 ha und kann bei einem sehr großen Hochwasserereignis ca. 12 Millionen m3 Wasser zurückhalten. Von dem geplanten Flutpolder profitieren unterhalb liegenden bebauten Bereiche, unter anderem Günzburg und Offingen. Für Städte, die weiter entfernt sind, wie Donauwörth, Neuburg und Ingolstadt ist die Wirkung unklar. Sie dürfte allerdings sehr gering ausfallen.

 

In einer Studie der TU München heißt es: Der Leipheimer Flutpolder sei die einzige Möglichkeit für eine Entlastung zwischen den Staustufen Oberelchingen und Offingen. An der Staustufe Offingen könnte der maximale Wasserstand so um etwa 30 Zentimeter verringert werden. Der Flutpolder ist also der erste Polder der bayerischen Donau, der das Hochwasser der Iller und der Baden-Württembergischen Donau entsorgt. In der Studie steht aber auch, dass sich die Wechselwirkung mit dem Riedstrom hier besonders stark auswirkt. Deshalb lasse die Wirkung des Leipheimer Polders ab der Staustufe Gundelfingen stark nach. 

Wirksamkeit des Polders:

 

 

Um die Spitze von extremen Hochwasserwellen auf der Donau zu kappen, wird Wasser aus der Donau in den Flutpolder ausgeleitet. Dies setzt jedoch voraus, dass der exakte Zeitpunkt der Pegelhöchststände und der richtige Zeitpunkt für die Ausleitung in den Polder vorhergesagt werden. Wird die Spitze der Hochwasserwelle nicht exakt vorhergesagt, hat die Ausleitung nicht die gewünschte Wirkung. Daher ist davon auszugehen, dass der Flutpolder regelmäßig Anwendung findet.

 

Die Studie der TUM sagt über den Leipheimer Flutpolder, dass er die einzige Möglichkeit für eine Entlastung zwischen den Staustufen Oberelchingen und Offingen sei. An der Staustufe Offingen könnte der maximale Wasserstand so um etwa 30 Zentimeter verringert werden.

 

Jedoch steht in der Studie aber auch, dass sich die Wechselwirkung mit dem Riedstrom hier besonders stark auswirkt. Deshalb lasse die Wirkung des Leipheimer Polders ab der Staustufe Gundelfingen sehr stark nach.

 

 

Das künstlich ausgeleitete Flusswasser verbleibt längere Zeit im Polder, erwärmt sich und wird sauerstoffärmer, was Absterbeprozesse nach sich zieht. Nach Sinken des Flusspegels wird das Wasser über Auslaufbauwerke theoretisch wieder in die Donau zurückgeleitet, wobei aufgrund der Topografie des vorhandenen Geländes das Wasser nicht abfließen kann. Dies wird in Senken sehr lange Zeit stehen bleiben, insbesondere zwischen Weißingen und Leipheim, da der Boden des Polders ca. 3 Meter tiefer als die Staustufe Leipheim ist.

Daten zum Flutpolder:

Fläche:           ca. 630 ha
Volumen:        ca. 12 Mio. m³

Einstauhöhe:   vermutlich 5 m
Dammbreite:    vermutlich 40 m
Dammhöhe:     vermutlich 7 m
Kosten: vermutlich 72 Millionen Euro + X

 

Die Vorläufige Sicherung der vorgesehenen Flächen wurde am 13.04.2015 durch das Landratsamt Günzburg verfügt. In Folge soll ein Raumordnungsverfahren durchgeführt werden.

Gerd Mannes

 post@kein-flutpolder-leipheim.de

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